Biographisches Portrait

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Annegret Soltau
Jahrgang 1946, Künstlerin

In meiner Kindheit hat mich der Mangel geprägt. Im Vergleich zu früher erscheint mir mein Leben heute in jeder Beziehung erfüllt, fast so, als dürfte ich jetzt die Kehrseite der Medaille erleben. Diese Prägung war so enorm, dass das, was ich heute bin, ganz viel damit zu tun hat. Auch die Einsamkeit, die ich in meiner Kindheit oft erfahren habe, finde ich in meinem Künstlerinnendasein wieder. Man muss bei der Arbeit allein sein können, damit man zum Ursprünglichen vordringen kann. Das ist nicht immer angenehm. In meiner Kindheit war es auch nicht angenehm, aber ich bin dadurch zu Dingen vorgestoßen, die mir sonst verborgen geblieben wären.
Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und hatte nie frei. Wenn andere Kinder schwimmen gingen, hieß es: Du musst Heu einfahren, du musst Rüben holen oder du musst Erdbeeren pflücken. Selbst im Winter hatte ich zu tun: Ich musste die Blüh- und Pflanzkeime der Maiblumen voneinander trennen oder beim Schlachten helfen und die Gedärme nähen. Die Dinge, die mich interessierten, konnte ich nicht machen, ich konnte nicht lesen und hatte auch keine Bücher. Ich spürte den Mangel, wusste aber nicht, wie ich daran etwas hätte ändern können.
Es gab in meiner Kindheit natürlich auch schöne Erfahrungen, gute Begegnungen. Meine Großmutter war wichtig für meine Lebensbasis, aber ich habe sie sehr früh verlassen. Von großer Bedeutung für mich war vor allem mein Grundschullehrer Schubert. Er nahm mich wahr, das war damals unendlich wichtig für mich. Er sorgte dafür, dass ich nach der Volksschule nicht gleich arbeiten gehen musste. Eine höhere Schule konnte ich nicht besuchen, weil kein Geld dafür da war und sich niemand für mich verantwortlich fühlte. Mein Lehrer hat mich dann gefördert, indem er meine Schulbücher bezahlte. So konnte ich wenigstens die Mittlere Reife machen, zwar an einer Handelsschule, die mir nicht besonders lag, aber immerhin war es besser, als gleich arbeiten zu gehen.
Mit knapp sechzehn Jahren musste ich selbst Geld verdienen, denn es war keiner da, der mich unterstützte. Von meiner Mutter habe ich keinen Pfennig bekommen, sie hat mir nie etwas gegeben, keine Ausbildung, kein Taschengeld, und sie hat mich auch nicht gefragt, ob ich etwas brauchte. Ich arbeitete bei der Dresdner Bank und als Arzthelferin bei einem Unfallarzt am Hamburger Hafen, obwohl ich das nicht gelernt hatte. Dann ging ich als Au-pair-Mädchen nach England, dort wurde die Kunst wichtig für mich. Ich hatte schon in der Schule gerne gezeichnet, und mein Lehrer Schubert hielt öfter meine Bilder hoch und lobte sie. Das gab mir ein bisschen Bestätigung, das Gefühl, dass ich jemand war oder überhaupt ein Anrecht für mein Dasein hatte. Er zeigte mir auch, dass es noch anderes gibt. Es waren kleine Hinweise, die ich nie vergessen habe. Als ich dann in England war, habe ich intensiv angefangen zu malen. Ich hatte fünf Kinder zu betreuen und den ganzen Haushalt zu bewältigen, aber an manchen Nachmittagen, wenn die Kinder noch in der Schule waren, konnte ich malen, und abends besuchte ich an einem College einen Kunstkurs. Von da an wollte ich Kunst studieren.
Mit etwa neunzehn Jahren ging ich nach Deutschland zurück. In Hamburg besuchte ich eine Vorbereitungsschule für die Aufnahmeprüfung zur Kunstakademie. Um Geld zu verdienen, arbeitete ich ab sechs Uhr morgens als Zimmermädchen in einer Pension. Um zwölf Uhr besuchte ich dann die Malschule. Ich lernte im Schnelldurchlauf alle Techniken und stellte innerhalb kürzester Zeit eine Mappe zusammen, mit der ich mich bei der Kunstakademie vorstellte, wo ich tatsächlich angenommen wurde. Von da an hatte ich freie Bahn. Um mich zu finanzieren, arbeitete ich nachts in einer Bar. Morgens um neun war ich dann in der Kunstakademie. Natürlich war ich häufig müde, und als mein Professor einmal nachfragte, erzählte ich ihm von meinem Job. Um Gottes Willen, sagte er, das müssen Sie doch nicht machen, Sie können doch ein Stipendium beantragen! Er schrieb mir ein Gutachten, ich bekam das Stipendium und brauchte nicht mehr nachts zu arbeiten.
Meinen Mann lernte ich in der Mensa kennen. Dadurch, dass ich da jobbte, kannte ich bald alle Studenten, und unter den Neuen war auch dieser Darmstädter. Darmstadt, das war für mich als Norddeutsche ganz weit weg, das mochte ich damals gar nicht. Und dieser Student fuhr dann oft auch noch nach Hause zu seinen Eltern und nahm seine Wäsche mit. Ich dachte, was ist denn das für einer? So ein Bürgersöhnchen. Und mit diesem Bürgersöhnchen bin ich heute noch zusammen. Wir zogen in eine gemeinsame Wohnung, aber es gab immer Ärger mit unserer Vermieterin. Wenn wir abends ins Zimmer wollten, habe ich mich auf seine Füße gestellt, und so gingen wir im Doppelpack über den Flur, damit die Vermieterin nicht mitbekam, dass ich bei ihm übernachtete. Aber irgendwann hat sie es dann doch herausgefunden, und da haben wir kurzentschlossen geheiratet.
Dass ich heiraten wollte, hat sicher mit meiner Kindheit zu tun. Ich bin unehelich geboren, was man mir immer als Makel ankreidete. In meinem Dorf sprach man von mir oft als dem Wechselbalg, weil mein Vater unbekannt blieb. Aus heutiger Sicht glaube ich, dass ich dieses Minderwertigkeitsgefühl durch die Heirat kompensieren konnte. Gegenüber den Kommilitonen war es uns eher peinlich, dass wir verheiratet waren. Es waren die 1960er Jahre, da heiratete man nicht, sondern lebte in Wohngemeinschaften oder Kommunen. Wir wohnten nahe dem Springer-Konzern-Gebäude, liefen bei den Demos mit und riefen laut: Nixon, wir glauben dir kein Wort, Völkermord bleibt Völkermord! Ansonsten haben wir einfach so weitergelebt, in dem Zwölf-Quadratmeter-Zimmer bei unserer Vermieterin. Nach dem Studium hatten wir beide noch ein Auslandsstipendium vom DAAD, das war unser Glück. Ich ging nach Wien und mein Mann nach Mailand. Wien fand ich im Herbst bedrückend und sehr dunkel. Irgendwann bin ich auch nach Mailand gegangen. Italien hat mir sehr viel besser gefallen, und da sind dann auch die Bilder nur so aus mir herausgekommen, obwohl wir dort in einem winzigen, primitiven Zimmer lebten, auf einer engen Etage zwischen lauter Süditalienern. Ich zeichnete Italienerinnen, die Köpfe umhüllt mit Tüchern, die in den Radierungen dann zu »umschlossenen Figuren« wurden. Es entstanden auch zwei Radierungen von Gudrun Ensslin. Später war ich noch einmal in Italien, in der Villa Massimo. Das war wieder anders, denn es war ja eine deutsche Akademie, und ich hatte meine beiden kleinen Kinder dabei. Ich lebte mich nur schwer ein und litt unter der Trennung von meinem Mann, aber letztlich war das Jahr sehr gut, auch für die Kinder. Ich konnte viele Kontakte knüpfen, und da waren ja auch die anderen Künstler, Schriftsteller, Komponisten, Architekten. Jeder hatte ein riesengroßes Atelier und eine Wohnung mit Putzfrau. So komfortabel hatte ich es vorher nie gehabt. In meiner Arbeit begann ich damals mit meinen »Mensch-Tier-Vernähungen«, die ich später »Grimas« nannte.
Über meine erste Ausstellung berichtete die Lokalzeitung unter der Überschrift »Die Frauen der Annegret Soltau« – und da dachte ich: Warum? Zeichne ich nur Frauen? Ich war von mir ausgegangen. Ich war Mensch. Ich unterschied nicht zwischen Mann und Frau. Erst durch diese Überschrift wurde mir bewusst, dass ich Frauen darstellte, und ich konnte das dann gezielter einsetzen. Und irgendwann habe ich nur noch mich selbst als Modell genommen. Dennoch ist mein Thema der Mensch. Ich möchte nicht, dass man den Eindruck gewinnt, für mich sei nur die eine Hälfte der Menschheit interessant und meine Arbeit grenze die andere Hälfte aus. Ich habe dann die traditionellen Techniken aufgegeben. Es war die Zeit, als die Frauen sich selbst entdeckten und mit neuen Medien arbeiten wollten, die noch nicht so besetzt waren. Ich wollte körperlicher, unmittelbarer mit meinem direkten Abbild arbeiten. Ein Foto ist wie ein realer Abdruck, mit dem ich dann weiterarbeiten kann.
Das Zusammenleben mit meinem Mann ist etwas traditionell gestaltet. Wir kennen uns jetzt seit vierzig Jahren. Ich kümmere mich mehr um das Essen, die Wäsche und all diese Sachen. Ich bin es auch, die überwiegend unsere Freundschaften pflegt. In manchen Dingen bin ich aber auch der Mann und er die Frau. Unser Leben als Künstler verlief während des Studiums eher getrennt. Tagsüber waren wir in der Akademie. Er ging in seine Bildhauerklasse im Kellergeschoss und ich in mein Maleratelier im ersten Stock. Wir waren zwar zusammen, unsere Arbeitsbereiche aber getrennt. Später hatten wir eine Phase, in der wir enger, nämlich Wand an Wand, zusammenarbeiteten. Da hörte ich ihn arbeiten, und wir hörten dasselbe Radioprogramm. Hier ist es jetzt wieder stärker getrennt. Ich arbeite unten im Erdgeschoss und er im Nebengebäude. Wir können uns gut austauschen. Wenn ich mal nicht weiterkomme oder Abstand brauche, gehe ich zu ihm ins Atelier und sehe ihm beim Arbeiten zu. In meinem Arbeitsraum treffen wir uns meistens zur Kaffeepause, und er sieht dabei, was ich gerade mache. So findet man zu sich zurück, gewinnt Abstand und weiß wieder eher weiter.
Ich würde sagen, es wird immer besser zwischen uns, weil vieles wegfällt, zum Beispiel Konkurrenz. Früher haben wir uns emotional stark aneinander gerieben. Das war teilweise sehr anstrengend, und ich bin froh, dass es jetzt einfacher ist, weil ich differenzierter geworden bin. Er findet mich manchmal immer noch nervig, weil ich über alles diskutieren will, während er gerne seine Ruhe hat, was mich dann wieder nervt. Aber grundsätzlich haben wir eine andere Basis miteinander gefunden. Ich kann die Gegensätze zwischen uns jetzt viel besser aushalten, was ich früher gar nicht konnte. Je mehr ich mich auf meine eigenen Sachen konzentriere, umso besser geht es. Er musste sich damit konkret auseinandersetzen, dann war es nicht mehr nur das Reden darüber, sondern meine Bilder waren mein Ausdrucksmittel, und die waren einfach da. Und das bin auch ich. Dadurch hat er viel mehr von mir erfahren. Jetzt möchte er sogar Bilder von mir haben, er kommt in mein Atelier und sagt: Also das könntest du mir schenken.
Mein Kinderwunsch schlich sich eher unbewusst ein. Ich hatte von so vielen Künstlerinnen gehört, die das Künstlerinnendasein schlecht mit kleinen Kindern vereinbaren konnten, und hatte deshalb Ängste. In der Kunstgeschichte gibt es kaum positive Vorbilder für Künstlerinnen mit Kindern. Aber irgendwann hat sich meine innere Stimme gemeldet, und ich wollte unbedingt ein Kind. Meine Vernunft sagte mir zwar, zwei Künstler und dann noch Kinder, das schaffen wir nicht. Und mein Mann und ich hatten dann auch eine schwere Krise, aber schließlich stimmte er zu. Ich wurde schnell schwanger, und wir haben uns auf das Kind gefreut, das eine Tochter wurde. Es war nur anfangs eine große Umstellung. Ich hatte schon während der Schwangerschaft mit dem Zustand des Schwangerseins und mit meinen Ängsten gearbeitet. Es floss alles ineinander, mit Baby und Stillen und Arbeiten. Dann wollte ich noch ein zweites Kind, und unser Sohn kam auf die Welt. Der Alltag verlief danach ziemlich chaotisch, und alles wurde sehr anstrengend, aber trotzdem entstanden doch immer wieder neue Bilder. Ich war selbst erstaunt, wenn ich sie dann in meinen Ausstellungen sah.
Eine lange Freundschaft verbindet mich mit Karin Struck, die ich schon in den 1970er Jahren kennengelernt habe. Sie hatte sich auch mit dem Mutterthema befasst, uns verband das Thema Frau, das sich auf das Private und den Körper bezog. Wir hatten losen Kontakt, und dann wollte sie gerne, dass ich zu ihrem Buch über ihre Großmutter, »Die liebenswerte Greisin«, Zeichnungen anfertigte, was ich auch tat. Wir haben uns viel geschrieben und besucht. Uns interessierte, wie das Private der Frauen politisch wird. Unsere Kinder wurden geboren, sie hat vier, ich habe ja nur zwei, und Karins Leben war natürlich ganz anders. Sie lebte ihr Leben mit verschiedenen Partnern, ihre vier Kinder sind von verschiedenen Vätern. Ich dagegen war konstant mit einem Partner zusammen.
Mit dem Älterwerden habe ich mich sehr viel beschäftigt, was nicht heißt, dass ich darüberstehe. Es macht mir etwas aus, wenn ich mich sehe und denke: Das bin ja ich, diese Metamorphose. Ich muss im Moment viele Bilder von früher heraussuchen, weil die 1970er Jahre aufgearbeitet werden. Jetzt zum Beispiel für eine Ausstellung in Los Angeles, da sollen nur Arbeiten bis 1980 gezeigt werden, es geht dabei um den Aufbruch, darum, wie Künstlerinnen der 1960er und 1970er Jahre die Kunst geprägt und beeinflusst haben. Auf diesen frühen Bildern sieht mein Gesicht natürlich viel jünger aus. Doch ich mag es auch, wenn Erfahrungen im Gesicht oder am Körper sichtbar werden. Das ist eigentlich schon immer mein Thema gewesen, ich bin dafür, dass man diese Prozesse nach außen trägt. Auch bei mir selbst. Ich muss aushalten, dass man mich so sieht, und ich finde mich auch nicht immer schön. Trotzdem zeige ich es, diese Wahrhaftigkeit ist mir wichtig. Ich will mich dem stellen und möchte die Wahrheit über mich erfahren und sie auch annehmen, jeden Tag ein Stück.
Erotik wird für mich immer wichtiger. Körperliche Erotik, Sexualität finde ich richtig gut. Ich lebe sie sehr erfüllt. Die Erotik in der Natur, in einem Baum, in einem Blatt, das ist dagegen noch nicht meine Welt.
Ich denke, meine Lebensaufgabe ist die Kontinuität. Es fällt mir manchmal ein bisschen schwer, sie zu bewahren, sie zu leben. Auf der anderen Seite sehe ich auch, wie viel ich durch diese Kontinuität gewonnen habe, nämlich die Fähigkeit, bei meiner Sache zu bleiben, meine Bilder zu machen und da immer weiter zu gehen. Ich sehe, dass sich die Themen parallel zu meinem Leben entwickeln. Nicht, dass ich das Leben abbilde, aber ich kann über meine Bilder die Prozesse nachvollziehen. In meiner letzten Werkschau auf der Mathildenhöhe in Darmstadt nannte ich die erste Halle »selbst«, die zweite »schwanger«, die dritte »generativ« und die letzte »hybrids«, Mischwesen. Da ist mir noch einmal ganz klar geworden, wie wichtig es ist, wenn man den eigenen Entwicklungsprozess verfolgt, dass man ihn bewusst erlebt und auch annimmt, tief einsteigt, ihn nach außen kehrt und in Bildern öffentlich macht. Und ich sehe an der Resonanz, dass andere Menschen sich darin auch erkennen können. Ich will ja nicht nur mich selbst darstellen.
Ich bin nicht im eigentlichen Sinn religiös, habe mich aber durch meine Freundin Karin Struck, die zum katholischen Glauben konvertiert ist, viel damit beschäftigt. Ich habe das Gefühl, dass ich mich jetzt nur noch auf mich selbst verlassen kann. Seitdem Karin vor einem Jahr an Krebs gestorben ist, wird das immer stärker. Sie wollte sich nicht operieren lassen, sie hat einfach geglaubt, dass sie es so schafft. Es war ihre Entscheidung, sie musste es so machen. Aber das hat mich doch sehr nachdenklich gestimmt. Ich werde jetzt eher weniger religiös oder weniger spirituell, als ich es vorher war.
Ich habe angefangen, über meinen Nachlass nachzudenken. Der Tod meiner Freundin und der Schlaganfall meiner Mutter haben mich schockiert und fast aus der Bahn geworfen. Meine Mutter liegt jetzt so hilflos da. Von einem Moment auf den anderen konnte sie nicht mehr sprechen, nicht mehr essen, nichts mehr machen. Sie war nie zuvor im Krankenhaus gewesen, die Frauen in meiner Familie haben gute Gene. Ich hatte immer gedacht, dass ich mit ihr noch vieles würde klären können, dass wir das noch schaffen. Diese Endgültigkeit schockiert mich. Das finde ich schlimmer, als wenn sie gestorben wäre. Sie lebt ja noch, sie lebt noch und ist doch nicht mehr greifbar. Deshalb mache ich mir langsam Gedanken über meine eigene Hinterlassenschaft. Ich taste mich vor, wo kann ich was unterbringen, habe mit meinem Mann gesprochen, wir haben auch schon eine Patientenverfügung gemacht. In einer Schublade liegt ein Briefumschlag, in dem ich alle wichtigen Informationen für meine Kinder sammle, damit sie wissen, wen sie ansprechen können, und nicht diesen ganzen Ballast haben.
Ich habe auch viele Kisten voller Tagebücher, was soll eigentlich damit passieren? Wer soll die lesen? Die soll gar keiner lesen. Eine meiner Arbeiten – ich nenne sie „personal identity“ – ist eine chronologische Folge von eigenen Passfotos, in die ich Urkunden und andere Unterlagen eingenäht habe. Sie beginnt mit meiner Originalgeburtsurkunde, und ich habe meiner Tochter aufgetragen, nach meinem Tod meine Sterbeurkunde einzunähen. In dieser Arbeit sind all die Dokumente und Karten eines, meines Lebens versammelt. Das letzte Foto der Serie ist dann das mit meinem Totenschein, oder was auch immer das sein wird, ein Chip oder Ähnliches. Aber es ist doch auch eine schöne Vorstellung, dass ich durch meine Bilder weiterlebe. Dass ich eine Spur hinterlasse.

Buchveröffentlichung von Ute Karen Seggelke, Gerstenberg Verlag Hildesheim 2008, Foto: Ute Karen Seggelke