Statements

Soltau skizze

Annegret Soltau im Atelier am 15.10. 2011Panotrait von Axel Deus:
Warum vernähe ich die Fotos- und so grob? Performance mit einem Großbild. Warum zerreisse ich meine Fotografien? Schätze in Schubladen. Über meine wichtigsten Themen.

Zitate von Annegret Soltau:

MEIN ZENTRALES ANLIEGEN IST, KÖRPERLICHE PROZESSE IN MEINE BILDER MITEINZUBEZIEHEN, UM KÖRPER UND GEIST ALS GLEICHWERTIG ZU VER-BINDEN

VATERSUCHE:
Das Autobiographische ist auch ein Auslöser meiner Bilder. Aber Kunst hat immer ein Eigenleben, ist geistige Produktion. Man muss eine Idee haben und ihr eine Form geben. (2003)

Ich denke, dass diese Unruhe, die man ja auch für künstlerische Prozesse braucht, dieses ewige Suchen und unruhig sein, dass mich gerade das auch antreibt, lebendig macht.

HYBRIDS:
In einer Art Recyclingverfahren habe ich die Restabschnitte wiederverwertet. Ich wollte das Ganze soweit treiben, dass es nur noch immateriell sichtbar ist und man sich fragt: Was bleibt übrig? (2002)

GENERATIV:
Ausgelöst durch den Tod meiner Großmutter, bei der ich aufgewachsen bin, wurde ich mit meiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Daraus entstand die Idee, die eigene weibliche Kette darzustellen. Angefangen bei meiner Tochter bis hin zu ihrer Urgroßmutter ….Das junge Mädchen trägt schon den alten Körper, die alte Frau noch den jungen Körper in sich. Der schmerzhafte Prozess soll sichtbar bleiben. (1994)

Der Faden bedeutet aber auch etwas Verbindendes, Reparierendes, was die Risse zusammenbringt und -hält. Die Risse im Lebenslauf bleiben sichtbar wie die Falten als Lebenspuren. (1995)

Es existiert nichts, was wirklich unversehrt wäre. Das Leben selbst ist eine ständige Verletzung. Es genügt die Tatsache, dass wir älter, im Laufe der Jahre immer brüchiger und fragiler werden.

SCHWANGER:
Ich wusste, dass ich das, was ich tun wollte, in genau dieser Zeit tun musste. Die Schwangerschaften habe ich als Annäherung an meinen Körper erlebt. (1980)

Wenn ich mich darauf einlasse, schwanger zu werden und zu bleiben, dann bin ich ganz fest eingebunden in diesen Zeitlauf der neun Monate und ich kann nicht mehr aussteigen, also das ist das Zwingende und es endet immer mit der Geburt. (1978)

Es gibt ja diese Verpuppung in der Natur, wo ein Prozeß beendet wird und es zu einer Zerstörung kommt, damit etwas Neues entsteht. Die Hülle muß abgeworfen werden, um etwas Neuem den Weg zu bahnen.

SELBST:
Ich finde, dieses Festlegen auf eine Identität, das ist für mich nicht stimmig, dass man immer “das Selbst” sein muss, das einzige Selbst.

VERBINDUNGEN:
Für mich sind diese Demonstrationen eine Art zu zeichnen. Anstatt die Linien in eine Metallplatte einzuritzen, wie ich es bei meinen Radierungen machte, arbeite ich mit der haptischen (Faden-) Linie. Ich "zeichne“ mit schwarzem Garn direkt auf die Haut von Kopf und Körper. (1975)

Die Linie ist für mich eine Zeichnung. Ich entwickelte aus der gezeichneten Linie den haptischen Strich. Ich wollte das Zeichnen haptisch und körperlich erfahrbar machen. Die Linie sehe ich auch als Metapher einer (Lebens-) Spur; etwas, das bleibt.

PERMANENTE DEMONSTRATION:
Ein Versuch, Bewußtseinszustände auszulösen durch ”Realisierung” eines Bildes im ”wirklichen” Leben, d.h. ein Bild körperlich machen.
Die Linie, der Strich wird zu einer ”realisierten“ Linie, der Mensch wird Teil des Bildes. Linie und Mensch sind nicht mehr zwei entgegengesetze Dinge, sondern eine “einzige Wirklichkeit”.
Die Demonstration dient keinem nützlichen Zweck, auch nicht dem rein ästhetischen Vergnügen, sie soll vor allem das Bewußtsein mit dem Unbewußten verbinden. Ich möchte intuitiv arbeiten d.h. mit einer unmittelbar wahrnehmbaren Erfahrung. Ein ”Sich-selbst-Vergessen“ sollte erlangt werden, denn sobald wir nachdenken, überlegen und Begriffe bilden, geht uns, das Ursprüngliche verloren und wir engen uns durch feste Gedanken und feste Begrifflichkeit ein.
Durch die Demonstration soll versucht werden, ein Bewusstsein zu erreichen, welches nicht aus unserem täglichen Leben schwindet, sondern sich dort voll entwickelt.
(1975)