I WAS ON A TOTAL SEARCH

May 22, 2013 12:26

VOM WECHSELBALG ZUR KÜNSTLERIN – Geschichte einer Kindheit in der Elbmarsch
FROM BASTARD CHILD TO ARTIST – the story of a childhood in in the marshes of the Elbe river

ISBN 978-3-940179-17-3, Weststadt Verlag , 116 Seiten
fw/t Elbstorf. Eine Kindheit in der Elbmarsch, eine Jugend, die kurz nach dem Krieg beginnt und nicht gerade dadurch erleichtert wird, dass es keinen Vater gibt und das Mädchen, dessen Geschichte erzählt wird, bei seiner Großmutter aufwächst. Aus dem kleinen, schüchternen Kind wird nach vielen Irr- und Umwegen eine erfolgreiche Künstlerin und eine selbstbewusste Frau. Diese Geschichte erzählt Baldur Greiner in der Biografie seiner Frau Annegret Soltau. Das Buch ist jetzt unter dem Titel „Ich war total suchend“ im Weststadt-Verlag erschienen.
Viele, vor allem ältere Elbmarscher werden Einiges wiedererkennen in der Biografie, die im Jahr 1945 in Elbstorf beginnt. Ihre Mutter Lisbeth ist Elbstorferin, der Vater ein Soldat, der in den letzten Kriegsmonaten an der Elbe stationiert war. Als der junge Soldat zurück an die Front muss und seine Feldpostnummer beim Brand des Elternhauses von Lisbeth verlorengeht, sind die Chancen, ihn wiederzufinden gleich Null.
Annegret Soltau lernt ihren Vater – trotz einiger Suchaktionen Jahre später – nie kennen. Leicht ist es nicht, auf dem Dorf in der konservativen Elbmarsch als uneheliches Kind aufzuwachsen, zumal die Mutter, die nie eine Bindung zu ihrer Tochter aufbaut, einige Jahre später heiratet und nach Hamburg zieht. Annegret bleibt bei ihrer Großmutter und ihrem Onkel in Elbstorf und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf.
Schon früh entwickelt sie ein beachtliches künstlerisches Talent und erweist sich als sehr intelligentes Kind. Doch das interessiert ihre Familie kaum. Erst ihr Lehrer in der Volksschule in Drennhausen kann durchsetzen, dass sie, anstatt wie geplant nach der achten Klasse als Verkäuferin in einem Winsener Süßwarenladen zu arbeiten, eine weiterführende Schule in Winsen besucht.
Aber auch dort bleibt Annegret der Außenseiter vom Dorf. Anfangs ist es Kindheitsfreundin Monika, mit der sie sich, da Monika ebenfalls ein uneheliches Kind ist, verbunden fühlt. Später sorgt Freund Reiner aus Hamburg dafür, dass sie eine für sie unbekannte Welt mit Büchern, Theater und Wissen kennenlernt.
Nach der Schule beginnt sie eine Banklehre in Hamburg, um der dörflichen Elbmarsch zu entfliehen. Später dann, nachdem sie ein Jahr als AuPair in England verbracht hat, findet sie endlich ihre wahre Berufung, die Kunst. An der Kunsthochschule lernt Annegret Soltau schließlich ihren späteren Mann Baldur Greiner kennen, der ihre Biografie verfasst hat.
Bitterkeit ist kaum zu finden, obwohl Annegret angesichts ihrer Kinder- und Jugendzeit viele Gründe gehabt hätte, bitter zu sein. Im Gegenteil, viele ihrer Erlebnisse während der Zeit in Elbstorf erzählt sie mit viel Humor, egal ob es sich um den missglückten Versuch handelt, sie in den Sportverein zu integrieren, oder um eine rasante Holderfahrt ihrer angeheirateten Tante Anneliese. Wie Annegret Soltau das Aufwachsen als „Wechselbalg“ in der erzkonservativen Elbmarsch, die fehlende Liebe zuhause und den scheinbar vorgezeichneten Lebensweg, den ein Mädchen in der Nachkriegszeit zu gehen hatte, hinter sich lässt und stattdessen zur Kunst findet, ist eine spannende Geschichte, die ihr Mann liebevoll erzählt. Annegret Soltau überwindet alle Hindernisse, wird vom einsamen, schüchternen Mädchen zu einer erfolgreichen Künstlerin.
Wer in der Elbmarsch lebt oder sie kennt, wird vieles in der Biografie wiedererkennen. Ob die Menschen, die liebevoll beschrieben werden, die Landschaft oder das Dorf –mit vielen historischen Aufnahmen, die in der Nachkriegszeit entstanden, lässt sich der Lebensweg von Annegret Soltau auch im Bild verfolgen.
(Franzis Waber, Winsener Anzeiger, 18.5.2013)