ARCO MADRID 2017

February 22, 2017 13:00

Sich zusammenhalten 2 kleiner

Abb.: Annegret Soltau: “sich zusammenhalten”, 1978,
3 sewn photographs in double glass frame 49 × 49 cm each Unique Pieces

ARCOmadrid 2017
Anita Beckers Contemporary Art, galerie-beckers.de, Frankfurt
with works by The Old Boys’ Club, Christiane Feser, Norbert Frensch, Sebastian Kuhn,
Jan Schmidt, Federico Solmi, Annegret Soltau, Liat Yossifor and Dierk Maass

Visit us at Booth 7D02
Friday, February 24th I 12:00 – 20:00
Saturday, February 25th I 12:00 – 20:00
Sunday, February 26th I 12:00 – 20:00

for collectors I only by invitation:
Wednesday, February 22nd I Opening I 12:00 – 20:00
Thursday, February 23rd I Preview I 12:00 – 20:00

DAS KONSTRUKT ICH

February 15, 2017 10:55

Ich bedrueckt web klein

Annegret Soltau: “ich bedrückt” 1978, Fotoradierung (Detail)

Annegret Soltau: DAS KONSTRUKT ICH. Das ge-zeichnete Selbst.
Vernissage: 8. Februar 2017 von 19 – 21Uhr
Ausstellungsdauer 9. Februar – 18. März 2017
Anita Beckers Contemporary Art, galerie-beckers.de, Frankfurt

Die Ausstellung zeigt Fotovernähungen, Fotoradierungen und Performance-Videos der Künstlerin von 1975 bis heute.
Soltau ist eine Pionierin auf dem Gebiet der feministischen Kunst und der Body Art, doch erzeugen Ihre Werke bis heute auch Kontroversen. Immer wieder werden Arbeiten von ihr als anstößig empfunden, zensiert, oder aus Ausstellungen entfernt. Im digitalen Zeitalter, in dem das Internet eine anonyme Plattform bietet, scheinen so konkrete und gleichzeitig körperlich nicht normierte Bilder befremdlich. Ihre Werk besticht bis heute durch eine ungebrochene Authentizität.

In ihrer Arbeiten zeichnet Soltau ihr Ich. Doch braucht sie dazu weder Stift noch Papier. Sie benötigt eine Kamera, einen Faden und ihren Körper. Seit mehr als 40 Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit ihrer psychischen und physischen Identität. Dabei bezieht sie auch Ihr Umfeld, ihre Familie und ihre Kinder, immer wieder in Ihre Arbeiten ein.

Der Faden, den sie in ihren Performances und Selbstportraits verwendet, umschließt Gesichter und Körper wie ein sicherer Kokon, verdeckt und verzerrt, und bleibt dennoch flexibel. Das für die Übernähung verwendete Garn, kann zeichnerisch verstanden werden, löst aber ihre fotografischen Bilder aus einer rein visuellen Erfahrung und transportiert sie in eine haptische Wirklichkeit. Ihre frühen Arbeiten befinden sich im Kontrast wirr gesponnener Schnüre und präzise gestochenen Stickereien, wie Ihre Serie Selbst von 1975. Immer wieder benutzt Soltau auch die Nadel. Sie sticht sie in Ihre Fotografien und benutzt sie um Negative zu gravieren und zu zerkratzen, oder um Fotofetzen zusammenzunähen. Es ist, als würde sie nicht mehr nur die Grenzen ihres Körpers erforschen, sondern sie überwinden. Sie vernachlässigt immer mehr die anatomischen Gesetze und schafft menschenähnliche Monster. Die Fragen und Anliegen, die die Künstlerin beschäftigen und der starke biografische Bezug, ziehen sich ebenso wie ein Faden durch ihr Werk, wie der Faden selbst es tut.

Soltaus Fäden werden ganz unterschiedlich eingesetzt. In dem Text Annegret Soltau. Spinnen, Umgarnen, Nähen – emanzipatorische Fadenspiele (2015) schriebt Leena Crasemann: „Über das Spinnen und später vor allem über das Nähen greift Soltau auf jahrhundertealte Kulturtechniken zurück und verbindet diese mit der Fotografie. Auf diese Weise de(kon)struiert sie weiblich kodierte Handarbeitstechniken und veranlasst über ihre Aneignung eine kritische, konstruktive Neubesetzung der Dichotomien von Handwerk versus Kunst, weiblich versus männlich, fotografischem Bild versus installativem Objekt – und darin liegt letztlich das avantgardistische, emanzipatorische Potenzial ihrer sehr eigenen, künstlerischen Sprache begründet“.

exhibition opening on February 8, 2017 from 7 – 9pm.
The exhibition will show sewn photographs, photo etchings and performance videos made by the artist from 1975 until today.
Soltau is a pioneer in the field of feminist art and Body Art, however, her works still generate controversy today. Again and again her artworks are considered offensive, are censored or pulled from exhibitions. In the digital age where the internet offers an anyonymous platform to users, such concrete and physical images seem disconcerting. Today, her work boasts an unbroken authenticity.

In her work, Soltau draws her I. However, she does not need pencil and paper for this. Instead she needs a camera, a thread and her body. For over 40 years, the artist has occupied herself with her physical and mental identity. In doing so, she utilizes her environment, her family and children over and over in her work.

The thread that she uses in her performances and self portraits encompasses faces and bodies like a safe cocoon; hidden and distorted but also flexible. The thread used for sewing over the photographs can also be understood as an element of drawing. However, it also frees the photographs from their purely visual experience and transports them into a haptic reality. Her early works are situated in the contrast of tangled threads and precise pin pricks resembeling embroidery, like her series Selbst (Self) from 1975. Soltau uses the needle often in her works. She stabs it into her photographs, scratchs the negatives with it or sews torn photographs together. It is as if she does not explore the limits of her body anymore, but rather goes beyond them. More and more she neglects the anatomical laws and creates people-like monsters. The questions and concerns that the artist has explored and the prominent biographical relavance, string her oeuvre together, just like the physical threads do.

Soltau’s threads are utilized in various ways. In the article Annegret Soltau. Spinnen, Umgarnen, Nähen – emanzipatorische Fadenspiele (2015), Leena Crasemann wrote “Through the spider and later mainly through sewing, Soltau uses cultural techniques that are hundreds of years old and connects them to photography. In this way she deconstructs the femininely coded techniques of handiwork and, through her approach, creates a critical, constructive new occupation of the dichotomies of handiwork versus art, masculine versus feminine, photographic image versus installative object – and this is where the avant garde, emancipatory potential of her own artistic language was founded.

LIFE IN THE BUBBLE

February 15, 2017 10:47

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Life in the Bubble – Video Works
Grundemark Nilsson Gallery, Berlin
January 21 – February 25, 2017
PANEL DISCUSSION LIFE IN THE BUBBLE.
Saturday February 25, 4 pm
The fragility of daily life revealed in video art.
In daily life, each of us is governed by personally created “life bubbles” in which we relate to a social network we have chosen, by which we are linked to people who think and act similarly. This becomes particularly clear in our choice of friends, whether in the real or virtual world. In our increasingly global society this supposedly protected space is becoming more and more threatened by the outside world, creating fears which in turn lead to behavioural changes.
In the exhibition LIFE IN THE BUBBLE in the Grundemark Nilsson Gallery, nine international video artists present twelve works which consider this societal phenomenon from several perspectives and at different meta-levels.
Artists: Yvon Chabrowski, Olivier Cheval, Björn Drenkwitz, Clare Langan, Martin Mlecko, Daragh Reeves, Julia Charlotte Richter, Annegret Soltau, Pernilla Zetterman,
This exhibition is a joint cooperation with Galerie Anita Beckers, Frankfurt am Main.

SPEECH AT THE WOMAN'S MARCH

February 15, 2017 10:29

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Annegret Soltau:
Kundgebung zur Demo Women’s March am 21. Januar 2017, 14:30 Uhr, Römerberg Frankfurt a.M.
Ich bin überwältigt, wie viele Menschen heute zur Demo gekommen sind, ich danke Euch Allen dafür!
Wir sind in eine denkwürdige Zeit hinein katapultiert worden, die wir nicht mehr für möglich gehalten hatten. Die Angst der Frauen vor einem backlash, also Rückfall, ist berechtigt, wenn auch schon hier bei uns kürzlich ein populistischer Politiker für die Wiederabschaffung des Frauenwahlrechts wirbt und Frauen als Heulsusen bezeichnet.
Als ein Kind der Nachkriegszeit wurde ich noch am Ende des 2. Weltkrieges von einem unbekannten Soldaten gezeugt. Ich war ein Kind, das nicht geboren werden sollte. Das aber scheint meinen Widerstand herausgefordert zu haben. Zuerst war ich sprachlos, später fand er Ausdruck in Bildern, ich wurde Bildende Künstlerin. Als Studentin erlebte ich die Aktionen der wilden 60er Jahre. Auch damals gingen wir wegen eines amerikanischen Präsidenten auf die Straße und skandierten: “Nixon glauben wir kein Wort, Völkermord bleibt Völkermord!“. Es ging um den Vietnamkrieg.
Der politische Protest rüttelte auch uns Frauen wach, sie wurden sich der einengenden Rollen bewusst und begannen ihren eigenen Kampf gegen die verkrusteten und verkorksten gesellschaftlichen Zustände, die in Folge des verheerenden Nazideutschland entstanden waren. Wir demonstrierten für den Frieden und für das Selbstbestimmungsrecht, gegen das Abtreibungsverbot, Gewalt, Krieg und Unterdrückung.
Erst habe ich gezögert, als die Anfrage kam, hier auf dieser Kundgebung eine Rede zu halten, denn ich bin als bildende Künstlerin keine Frau des Wortes, sondern der Bilder. Aber was sagten schon die Studenten in den 60er Jahren: „Künstler, werft Eure Pinsel weg und reisst Euer Maul auf!“ Das werde ich heute tun, denn ich fühle mich verantwortlich und kann die aktuelle Entwicklung einfach nicht mit gutem Gewissen ignorieren.
Die Frau ist in der Kunst keine Marginalie, auf den Bildern in den Museen sind sie in allen Schattierungen versammelt. Allesamt von Männern dargestellt, es sind Wunsch-, aber auch Feindbilder, inspiriert von Musen der Künstler. Wir Künstlerinnen der 70er Jahre aber wollten keine Musen mehr sein, sondern uns selbst ins Bild setzen. Das wurde zum Appell, die traditionellen Rollen wurden durchbrochen und der eigene Körper ins Bild gestellt: „Das bin Ich“.
Wir wollten die mystische Überhöhung des Geschlechtlichen jenseits der Helmut- Newton- und David- Hamilton- Ästhetik unterlaufen. Es war an der Zeit, uns aufzulehnen, etwa gegen den männlichen Geniekult, und an einer grundlegenden Neuerschaffung des Bildes der Frau durch die Frau zu arbeiten.
In den 70-iger Jahren gründeten wir hier in Frankfurt eine Künstlerinnengruppe, erforschten miteinander die Kunstgeschichte und suchten nach den Frauen, die uns Vorbilder sein könnten. Es gab sie kaum. Abgesehen von Paula Modersohn-Becker oder Käthe Kollwitz, sah es düster aus, später kam durch die Frauenbewegung Frida Kahlo hinzu.
Gleich hier um die Ecke, im Frankfurter Kunstverein am Steinernen Haus zeigte ich 1983 meine Video- Installation „schwanger“, die aus 9 lebensgroßen Fotos meines nackten schwangeren Körpers vom 1. bis zum 9. Monat bestand. In diese Fotos waren Video-Monitore eingelassen, auf denen 9 Performances von mir, dem jeweiligen Monat entsprechend, abgespielt wurden.
Die Gesamtarbeit war 9 Meter lang und 2 m hoch, ich hatte sie im Erdgeschoss frontal zur Fensterfront platziert, so dass sie von den vorübergehenden Passanten gesehen werden konnte. Ich wollte damit das Thema Schwangerschaft durch die Glasfront nach Aussen, in die Gesellschaft tragen und sichtbar machen. Ich habe mich als Schwangere öffentlich gemacht.
Ein Aufschrei ging durch das Kunstpublikum: “Ist das Kunst?“ und „Das ist doch Ihr Privatproblem!“ Aber gerade das war mir wichtig: Ich hatte den Slogan der 70er Jahre „Das Private ist politisch“ längst verinnerlicht und in meine Arbeit einbezogen.
Einige Jahre später wurden meine Bilder „generativ – Selbst mit Tochter, Mutter und Großmutter“ mehrmals in Ausstellungen zensiert wegen der sogenannten „Ästhetik der Häßlichkeit“. Sogar hier in der Weltstadt Frankfurt wurden sie in einer Ausstellung anlässlich der Verleihung eines Kunstpreises mit dicken Stoffbahnen zugehängt.
Wer gegen Rassimus ist, jedoch den leiblichen und seelischen Schutz von Frauen nicht mit einbezieht, muss sich scheinheilig nennen lassen.
Meine Vision ist – und dafür stehe ich heute hier – , in meinen Bildern den Frauen ihren eigenen Körper zurückzugeben, der ihnen genommen wurde durch die Festlegung auf traditionelle Rollen in der Gesellschaft, durch die Religion und Geschichte oder auch durch erniedrigende und zerstörende Gewalterfahrung.
Die Ureinwohner von Neuseeland, die Maori, haben, um sich gegen Gefahr zu wehren, eine symbolische Geste, die ich jetzt gerne mit Ihnen zusammen machen würde um ein Zeichen zu setzen gegen die Ungleichheit, Vereinnahmung und Unterdrückung der Frauen: Lasst uns wie die Maori die Augen rollen und unsere Zungen herausstrecken!
Vielen Dank.

WOMEN´S MARCH

January 18, 2017 12:50

#GemeinsamStark
with Micaela, Dorsey, Makda, Sophia, Christina, Emine, Furat, Kirsten and Annegret
Thanks to Jenny, copyrigth: Jenny Mayfield Blackstone

Kundgebungsprogramm/ Rally Program
Women’s March Frankfurt·Samstag, 21. Januar 2017
Sprecher / Speakers:
Rosemarie Heilig, Frauendezernentin Stadt Frankfurt
Emine Aslan und Makda Isak, People of Color Hochschulgruppe Rhein Main
Jenny Mayfield Blackstone, Fotografin
Annegret Soltau, bildende Künstlerin
Furat Abdulle, I Slam, Poetry Slammerin
Daniel Röder, Pulse of Europe

WOMEN´S MARCH
Weltweit wollen Frauen am Samstag, dem Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident, für Frauen- und Menschenrechte auf die Straße gehen. Auch in Frankfurt sind eine Demonstration und eine Kundgebung geplant. Über soziale Netzwerke ruft das Aktionsbündnis Women’s March Frankfurt dazu auf, gemeinsam ein Zeichen für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung zu setzen. Ziel sei, „eine klare Nachricht um die Welt zu schicken: Frauenrecht ist Menschenrecht“, heißt es in dem Aufruf, den nach eigenen Angaben Frauen aus allen Bereichen der Gesellschaft unterstützten. Ausdrücklich sind nicht nur Frauen eingeladen, mitzulaufen und sich für „unsere Rechte, unsere Sicherheit, unsere Meinungsfreiheit, unsere Familien und unsere Demokratie einzusetzen“.
Die Demonstration beginnt um 12 Uhr an der Alten Oper; sie zieht über die Hauptwache zum Klaus-Mann-Platz und weiter über Konrad-Adenauer-, Kurt-Schumacher-Straße und Mainkai zum Römer. Dort ist für 14.15 Uhr eine Kundgebung geplant.